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Am 15. November 2009 ging es morgens um 7 Uhr vom Köln- Bonner Flughafen in Richtung Israel. Die Reise, auf die wir uns mehrere Monate vorbereitet und gefreut hatten, ging endlich los. Unser Reisebegleiter, Dr. Shmulik Lahar, empfing uns in Tel Aviv mit den Frauen vom Peres-Center for Peace herzlich. Aus der Kälte von NRW kommend, standen wir plötzlich am Bus neben Palmen und in der Sonne.
Unsere erste Nacht verbrachten wir in Jerusalem. Wir konnten gleich nach unserer Ankunft die Altstadt besuchen. Die Basare waren für die meisten sehr ungewohnt, beeindruckten uns aber sehr. Der Tempelberg im Sonnenuntergang, die Männer und Frauen an der Klagemauer – wir waren fasziniert.
Am nächsten Tag besuchten wir den deutschen Botschafter in Israel, der mit uns – natürlich nachdem wir die aufwändigen Sicherheitskontrollen geschafft hatten - total offen und interessiert eine Stunde über Israel, seine Arbeit und den Austausch sprach. Noch am selben Abend trafen wir in Masada am Toten Meer das erste Mal auf die israelisch- palästinensische Gruppe.
Zu Anfang war es ein seltsames Gefühl zu wissen, dass wir die Nacht mit jeweils einem israelischen und einem palästinensischen Schüler in einem Zimmer verbringen sollten, schließlich hatten wir uns noch nie vorher gesehen. Doch es war alles ganz unkompliziert und nach einigen von Shmuliks Kennenlernspielen freundeten wir uns mit ihnen an und verbrachten den restlichen Abend gemeinsam auf einer Wiese mit Gesang und Gitarre. Die beiden anderen Gruppen hatten schon vor dem Austausch sogenannte peace-making Treffen gehabt. Denn für die meisten war es die jeweils erste Begegnung mit Israelis und Palästinensern gewesen und sie mussten ja gegenseitig erst einmal anfangen Vorurteile abzubauen.
Den ersten Ausflug, den wir gemeinsam erlebten, verbrachten wir in einem Naturschutzgebiet mit Tieren und Wasserfällen, in denen wir auch baden konnten.
Zu diesem Zeitpunkt waren alle drei Gruppen komplett gemischt und es gab gar keine Gruppierungen mehr. Beim anschließenden Vergnügen am und im Toten Meer, verstanden wir uns weiterhin sehr gut und stellten fest: im Toten Meer geht man tatsächlich nicht unter. Angst empfanden wir, als plötzlich ein Kampfflugzeug über unseren Köpfen entlang flog. Es war ein extrem lautes Geräusch und danach entstand eine plötzliche Stille bei uns. Da wurde uns bewusst, dass militärische Präsenz in Israel zum Alltag gehört und wie privilegiert wir sind, in einem Land zu leben, in dem es seit 60 Jahren keinen Krieg mehr gibt.
Nach dem Bad im Toten Meer trennten sich vorerst unsere Wege und wir, als deutsche Gruppe, schliefen noch einmal in Jerusalem, um am nächsten Tag Frau Aliza Olmert, die Ehefrau des Ex-Premierministers zu empfangen.
Sie ist eine sehr aufgeschlossene und sympathische Frau, mit der wir uns ganz frei unterhalten konnten. Das heißt: natürlich hatten wir uns schon in Bochum mit allen möglichen Themen beschäftigt und abends vor unseren Besuchen haben wir immer noch geplant, welche Themen wir ansprechen wollten, wer das Gespräch moderiert,... Es war eigentlich auch überraschend, wie schnell sich die meisten von uns an das Englischsprechen gewöhnten.
Ein sehr bewegendes Erlebnis für uns, war der Besuch in Yad Vashem, die Gedenkstätte für die im Holocaust getöteten Jüdinnen und Juden.
Viele originale Gegenstände der Opfer, die uns gezeigt wurden, berührten uns zutiefst. Viele weinten, andere waren den Tränen nahe. Durch Yad Vashem geführt zu werden ist etwas anderes als in Deutschland das Thema Nationalsozialismus im Geschichtsunterricht zu behandeln. Das geht einem unter die Haut. Man fühlt sich dort als Deutsche/r komisch. Aber in Yad Vashem wie auch auf der ganzen Reise hat uns niemand, den wir getroffen haben, ein schlechtes Gefühl gegeben, weil wir aus dem Land der Nazis kämen. Ganz im Gegenteil: so viel Herzlichkeit erlebt man in Deutschland selten, wenn man irgendwo fremd oder neu ist.
An einem Abend wurden ein Palästinenser und zwei Deutsche jeweils zu einer israelischen Familie zum Abendessen eingeladen. Alle wurden von den Familien sehr freundlich aufgenommen und wir genossen das Abendessen. Wir unterhielten uns über viele verschiedene Themen und auch über den Konflikt zwischen Israel und Palästina, was sehr interessant war. Im Gegensatz zur ersten Gruppe hatten wir auch die Gelegenheit palästinensisches Gebiet zu besuchen. So waren wir z.B. an einem Nachmittag in Bethlehem. Die Mauer, die zwischen Bethlehem und Jerusalem steht, ist sehr hoch und die Kontrollen streng. Man spürt, dass sie die Menschen wirklich trennt. Es war sehr traurig, dass die israelischen Schüler nicht mit uns auf die andere Seite durften, da es für sie zu gefährlich wäre. Andererseits konnten wir dort einen Eindruck von der Lebensweise der Palästinenser gewinnen und haben uns natürlich auch die Geburtskirche angesehen, die über der Grotte gebaut wurde, in der Jesus geboren sein soll.
Da die israelisch- palästinensische Gruppe einen Tag lang etwas gemeinsam unternahm, konnten sich die Schüler besser kennen lernen und Freundschaften schließen.
Das merkten wir, als wir eine weitere Nacht zusammen verbrachten und die Atmosphäre zwischen den beiden Gruppen noch entspannter war.
Der Abschied von den Gruppen war sehr emotional und rührte viele zu Tränen. Wir schlossen uns alle in die Arme und sangen ein letztes Mal unser Lied, das wir am ersten Abend komponiert hatten. Seitdem freuen wir uns nur noch auf das Wiedertreffen in Deutschland!!!
Das heißt aber auch, dass wir den Besuch vorbereiten. Wir arbeiten an unserer Dokumentation über den Austausch mit Bildern und Texten, erstellen einen Pressespiegel, bereiten das gemeinsame Projekt der Woche in Bochum vor (Design einer Jacke), planen die Woche und natürlich die Abschiedsveranstaltung und -party,... Das in der Zeit entstandene Projekt BOP (Ball of Peace) nimmt Form an und soll veröffentlicht werden – viele lassen sich mit dem kleinen blauen Ball ablichten und geben ein Statement ab zum Stichwort Frieden. Denn schließlich ist das das wichtigste Ziel unseres Austausches: miteinander reden und für den Frieden arbeiten. Dass das so viel Spaß machen kann, hätten wir vorher nicht gedacht.
Eva, Ebru und Lena |