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"Kleine Pflänzchen für neue, innere Perspektiven"
Frage: Wie sieht das therapeutische Konzept für die Einrichtungen der Peter Maffay Stiftung auf Mallorca aus?
» Grundsätzlich muss man zwei Hauptgruppen, die nach Càn Llompart kommen, unterscheiden: Die erste besteht aus sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen, bei deren Aufenthalt der Aspekt des Erlebnisses, der Begegnungen und des kulturellen Austausches im Vordergrund steht. Das besondere am Angebot der Peter Maffay Stiftung ist, dass es gerade für Randgruppenkinder und Jugendliche offen steht, die bisher an der Entwicklung offener Grenzen in Europa und den damit verbundenen wichtigen Lebenserfahrungen nicht teil haben können.
In der zweiten Gruppe haben wir Kinder und Jugendliche sowie deren Familienangehörige, die von einem traumatischen Lebensereignis betroffen sind, wie zum Beispiel Krankheit oder Verlust eines Elternteils durch Unfall usw. Je nach Gruppe sieht das therapeutische Konzept unterschiedlich aus. Während bei der ersten Gruppe der Aspekt neuer Erfahrungen wie etwa fremde Sprache und Kultur, andere Lebensgewohnheiten, südländisches Klima, Meer und Flora usw. im Vordergrund steht, ist bei der zweiten Zielgruppe geplant, die Kinder und ihre Familien therapeutisch zu begleiten, mit dem Ziel, sie zunächst zu entlasten und in einem weiteren Schritt ihnen Impulse und Anregungen zu geben, damit sie ihren Alltag wieder besser bewältigen können.
Frage: Darf man sich ein positiven Verlauf in der Entwicklung der Kinder von einem temporären Ortswechsel erwarten?
» Für die erste Gruppe liegt es auf der Hand, dass der Auslandsaufenthalt, wie bei ganz normalen Familienkindern auch, sie durch die vielfältigen Erfahrungen und Anforderungen in ihrer sozialen Kompetenz und auch in ihrem Selbstwert, so etwas mal miterlebt und gut bewältigt zu haben, stärkt. Die Aufenthalte erweitern das bisher begrenzte Lebensumfeld und setzen Impulse, dass es noch mehr gibt, als die bisher gewohnten Lebensbedingungen. Es können neue Bilder, neue Hoffnungen entstehen. Bei der zweiten Gruppe wird es sicherlich ganz unterschiedliche Wirkungen geben. Es liegt in der Natur dieser Prozesse, dass es in der Regel viele kleine Bausteine sind, die dazu führen, wieder aus einer schwierigen Lebenssituation herauszufinden. Zunächst ist wichtig, festzuhalten, dass die Aufenthalte auf Mallorca nicht in der akuten Phase gedacht sind. In dieser ersten Phase ist eine Stabilisierung der Betroffenen in ihrer vertrauten Umgebung notwendig. Die Aufenthalte beziehen sich also auf die Phase nach der Stabilisierung. Hier haben wir beobachtet, dass neue Entwicklungen und Impulse gerade in einer völlig neuen, unvorbelasteten Umgebung oft leichter möglich sind. Im Alltag ist man doch häufig in ein inneres System verstrickt. Vieles erinnert an das Erlebte.
Ich bin sicher, dass die Aufenthalte im Kinderhaus auf C`an Llompart dazu beitragen können, kleine Pflänzchen für neue innere Perspektiven zu setzen. Es ist der Weg der vielen kleinen Schritte und die Betroffenen bestimmen ihre eigene Zeitlichkeit. Nicht zu unterschätzen ist die Botschaft an die Betroffenen, dass sie sich durch die Einladung nach Mallorca auch wieder den positiven Seiten des Lebens zuwenden "dürfen."
Frage: Welche Gruppen von Kindern werden dorthin eingeladen oder kann man sich dafür bewerben?
» Zunächst sollten wir uns die ersten zwei Jahre darauf begrenzen, um mit den beiden zuvor genannten Gruppen Erfahrungen sammeln zu können. Perspektivisch werden sicher neue Gruppen hinzu kommen.
Grundsätzlich können sich alle bewerben. Anfragen sind an die Peter Maffay Stiftung oder an die Tabaluga Kinderstiftung zu richten. Wir werden dann zusammen beraten, wie wir die Gruppen zusammenstellen. Es ist meiner Erfahrung nach wichtig, dass die Gruppen einigermaßen homogen sind, d.h. die jeweils Betroffenen eine ähnliche Hintergrundsproblematik haben. Es wäre sicherlich schwierig, eine Familie mit Gewalterfahrung mit einer Familie zu mischen, die zum Beispiel ein leukämiekrankes Kind hat. Insofern ist es wichtig, eine sorgfältige Zusammenstellung zu treffen. Bei der Fülle der zu erwartenden Anfragen macht es Sinn, sich, wie schon geschehen, mit fachlichen Kooperationspartnern zusammen zu tun, die in der Vorauswahl und auch in der Durchführung der Aufenthalte behilflich sind.
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